Kann nach einer COVID-19-Erkrankung das Thromboserisiko steigen?
Studien zeigen, dass das Risiko für Thrombosen, wie beispielsweise Blutgerinnsel in den Beinen (tiefe Venenthrombose) oder in der Lunge (Lungenembolie), nach einer SARS-CoV-2-Infektion noch einige Zeit erhöht bleiben kann. Dieses erhöhte Risiko tritt vor allem in den ersten drei bis sechs Monaten nach der Infektion auf und betrifft nicht nur schwer Erkrankte, sondern auch Personen mit anhaltenden Symptomen, die typisch für ein Post-COVID-Syndrom sind [1]. Das bedeutet nicht, dass jeder mit einem Post-COVID-Syndrom eine Thrombose entwickelt, aber es ist wichtig, auf entsprechende Symptome zu achten.
Wie kann es nach einer COVID-19-Erkrankung zu einer Thrombose kommen?
Nach einer COVID-19-Erkrankung können verschiedene Körperfunktionen über einen längeren Zeitraum gestört bleiben. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Gefäßinnenwand, das sogenannte Endothel, nach einer SARS-CoV-2-Infektion lange Zeit aktiviert oder geschädigt bleiben kann. Dadurch verliert das Blutgefäß teilweise seine Schutzfunktion gegen Blutgerinnung [2,3]. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass das Blut bei manchen Menschen über einen längeren Zeitraum eine erhöhte Gerinnungsneigung aufweist, was sich in erhöhten Gerinnungswerten über Monate nach der Infektion äußern kann [3]. Anhaltende Entzündungen spielen wahrscheinlich ebenfalls eine Rolle, da Entzündungsprozesse das Gerinnungssystem weiterhin aktivieren können. Schließlich können Inaktivität oder langes Liegen, die bei COVID-19-Fällen häufig vorkommen, das Thromboserisiko zusätzlich erhöhen.
Was können Sie selbst tun, um das Risiko zu verringern?
Obwohl sich eine Thrombose nicht immer verhindern lässt, gibt es Maßnahmen, die das Risiko verringern können. Regelmäßige Bewegung ist wichtig, auch wenn sie nur kurz ist. Langes Sitzen oder Liegen sollte vermieden werden; bewegen Sie sich beispielsweise stündlich kurz. Ausreichend Flüssigkeitszufuhr trägt dazu bei, das Blut dünnflüssiger zu machen. Bei (teilweise) bettlägerigen Menschen kann regelmäßiges Bewegen der Füße und Beine im Bett die Durchblutung fördern. In manchen Fällen können Stützstrümpfe hilfreich sein, dies sollte jedoch immer in Absprache mit einem Arzt oder einer anderen medizinischen Fachkraft erfolgen. Blutverdünner sollten nicht ohne ärztlichen Rat eingenommen werden.
Wann sollten Sie Ihren Hausarzt kontaktieren?
Es ist wichtig, sich noch am selben Tag an Ihren Hausarzt zu wenden, wenn Sie Symptome wie eine plötzlich geschwollene, schmerzende oder warme Wade oder ein warmes Bein oder neu aufgetretene, unerklärliche Atemnot verspüren. Bei schweren und plötzlich auftretenden Symptomen wie starker Atemnot, Brustschmerzen, Ohnmacht, Bluthusten oder plötzlichem Funktionsverlust wie z. B. Mundwinkelverformung oder Sprachstörungen rufen Sie bitte umgehend die 112 an.
Für Angehörige der Gesundheitsberufe ist es hier Weitere Informationen zur Antikoagulation nach COVID-19.
Quellen
[1] Katsoularis I. et al. Risiko einer venösen Thromboembolie nach COVID-19. BMJ, 2022.
[2] Crook H. et al. Long COVID: Mechanismen, Risikofaktoren und Management. Journal of Medical Virology, 2021.
[3] Jing Z. et al. Long COVID: pathophysiologische Mechanismen und therapeutische Strategien. Signal Transduction and Targeted Therapy, 2022.